8. Helfende Ideen und neue Geschäftsfelder für Flughafenbetreiber, die über die Krise hinaus lukrativ sind

In diesem Teil unseres Projektes „Ideen für internationale Airlines während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welches sind die gegenwärtig noch helfenden, fehlenden Ideen (im Sinne von Sofortmaßnahmen) – und möglichen neuen Geschäftsfelder für Flughafenbetreiber, die auch über die Krise hinaus lukrativ sind?“.

Grundsätzlich müssen die Flughafenbetreiber die allgemein gültigen Hygiene- und Sicherheitsstandards in Bezug auf die Pandemie adaptieren, wie sie bereits in anderen Gesellschaftsbereichen umgesetzt werden. Dabei können die Flughäfen, wie wir es auch für die Airlines (Vom Verbreiter zum Verhinderer unter Punkt 6. Meilensteine) vorgesehen haben, eine Vorreiterrolle einnehmen und zukünftige Standards mitgestalten oder sogar vorwegnehmen.

Darüber hinaus bedarf es für die Flughafenbetreiber derzeit keiner weiteren essentiellen Sofortmaßnahmen. Die „freigewordene Zeit“ kann an den Flughäfen ideal für größere Wartungs- und Instandhaltungsmaßnahmen genutzt werden, welche sonst aufwendig während des Flugbetriebes oder in den knapp bemessenen Ruhezeiten organisiert werden müssen. Es lohnt sich für die Betreiber, diese jetzt vorzuziehen, um einen störungsfreien Anlauf des Flugbetriebes nach der Krise zu gewährleisten.

Langfristig kann es sich für die Flughafenbetreiber lohnen, ihre bereits bestehenden Erlebnis- und Shoppingangebote für die Fluggäste und Flughafenbesucher, um jene aus dem Bildungs- und Gesundheitsbereich zu erweitern.

Futuristisches Ambiente

Wie wir bereits im Abschnitt Futuristisches Ambiente unter Punkt 4. Optimum beschrieben haben, sollte unbedingt auch an den Flughäfen die Idee des Futurismus adaptiert und der zugrundeliegende Umweltgedanke für die Besucher klar ersichtlich und vor allem erlebbar sein.

Hierzu können die Flughafenbetreiber spezifische Themen- und Erlebniswelten schaffen, so dass die Flughäfen neben dem bisherigen Unterhaltungs- auch einen Informationswert (Infotainment) zu bieten haben. In entsprechenden Kinos oder interaktiven Medieninstallationen können die Flughafenbesucher bereits heute die umweltorientierten Zukunftsvisionen der Luftfahrt von Morgen erleben und sich kontinuierlich über deren Fortschritt informieren.

Wichtig für den langfristigen Erfolg dieser Attraktionen und Erlebniswelten ist in diesem Zusammenhang die Schaffung von Alleinstellungsmerkmalen an einem bestimmten Flughafen. Dies kann potentielle Fluggäste dazu bewegen, bevorzugt diesen Flughafen als Starpunkt und Umsteigemöglichkeit für ihre zukünftigen Reisen zu berücksichtigen.

Unterstützung bei der Planung können sie sich bei den etablierten Freizeit- und Erlebnisparks holen und dabei von deren großen Erfahrungsschatz profitieren. Denkbar sind hier auch langfristige Partnerschaften mit den bestehenden Parkbetreibern.

Maßgeblich geht es bei dieser Idee für die Flughafenbetreiber darum, Vorreiter zu werden und den globalen Wandel hin zu einer umweltfreundlichen Gesellschaft abzubilden und zu propagieren. Auch hier sind wiederum Partnerschaften mit in diesem Bereich bereits engagierten Infotainment-Partnern denkbar.

Medizinische Zentren an den Hubs

Die Flughäfen können weiterhin zu medizinischen Zentren ausgebaut werden, wie es sie an einigen großen Flughäfen bereits gibt. Diese Zentren bieten lukrative und hochwertige Gesundheitsangebote für die Fluggäste und Flughafenbesucher an. Der Fluggast kann hierbei zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und beispielsweise den anstehenden Zahnarztbesuch mit dem nächsten Flug verbinden.

Die Implementierung solcher medizinischen Einrichtungen wird dadurch erleichtert, dass an den Flughäfen bereits ähnlich hohe Sicherheits- und Hygienestandards wie in Krankenhäusern vorhanden sind.

Ebenfalls denkbar ist in diesem Szenario die Einrichtung spezieller medizinischer Schwerpunktzentren an den großen Luftfahrt-Drehkreuzen (z.B. für komplexe Operationen, welche einen hohen Technologisierungsgrad voraussetzen). Potentielle Patienten könnten so für ihre Behandlung zum nächsten geeigneten größeren Flughafen fliegen, um dort ohne weitere Reisewege bestmöglich versorgt zu werden. Diese Idee ist besonders für die gesundheitliche Versorgung in Schwellen- und Entwicklungsländer interessant, in denen die medizinische Infrastruktur noch nicht hinreichend entwickelt ist.

Ein zusätzlicher Vorteil dieser Zentren würde darin bestehen, dass Passagiere mit dringenden und pandemieverdächtigen Krankheitsbildern bereits bei ihrer Ankunft am Zielflughafen untersucht werden können, ohne die Sicherheitsschleusen des Flughafens zu verlassen.

Des Weiteren können die Flughäfen ihren Fluggästen entsprechende Gesundheits-Deals zusammen mit den Fluggesellschaften anbieten (z.B. Ermäßigungen auf Behandlungen oder Bezahlung per Flugmeilen).

Service-Angebote

Für die Flughäfen lohnt es sich auch, ihre Service-Angebote kontinuierlich zu erweitern. Neben den bereits bestehende Park- und Instandhaltungs-Services für PKWs können auch Lebensmittel- und Einkaufsdienste angeboten werden.

Dabei können die Fluggäste noch bis kurz vor der Landung online ihre gewünschten Produkte auswählen, die ihnen dann im Gepäckausgabebereich bei ihrer Ankunft zur Abholung bereitgestellt werden. Dieses Konzept umfasst alle am Flughafen ansässigen Händler, welche ihre Waren zusätzlich über diesen Service anbieten möchten und auch die Gastronomie mit entsprechenden Takeaway-Produkten. Für die ansässigen Händler bedeutet dieser Service eine zusätzliche Einnahmequelle. Die Fluggäste profitieren davon, sich nach einer langen Flugreise oder einem stressigen Arbeitstag wertvolle Freizeit für diese Einkäufe zu ersparen.

Im nächsten Teil unseres Projektes „Ideen für internationale Airlines während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Gibt es markante Unterschiede bei der Anwendung der entwickelten Ideen im internationalen Vergleich?„.

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