7. Helfende Ideen und neue Geschäftsfelder für Flugzeughersteller, die auch über die Krise hinaus lukrativ sind

In diesem Teil unseres Projektes „Ideen für internationale Airlines während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welches sind die gegenwärtig noch helfenden, fehlenden Ideen (im Sinne von Sofortmaßnahmen) – und möglichen neuen Geschäftsfelder für Flugzeughersteller, die auch über die Krise hinaus lukrativ sind?“

In Zeiten wie diesen wird deutlich, wie sehr sowohl die Luftfahrtgesellschaften als auch die Flugzeughersteller voneinander abhängig sind. Es scheint deshalb nur logisch, wenn diese weiterhin gemeinsam an mögliche Lösungen und Neuerungen für die Branche arbeiten und mögliche Risiken untereinander aufteilen.

Es verfestigt sich der Eindruck, dass in der Branche grundlegende technologische als auch strukturelle Änderungen anstehen. Der Trend zu kleineren und umweltfreundlicheren Flugzeugen ist hierbei nur ein wesentliches Element.

Es würde uns sehr wundern, wenn bei den Flugzeugherstellern nicht bereits weitere geeignete Ideen in den Schubladen liegen, welche jetzt gewinnbringend für alle Beteiligten genutzt werden können.

Als gegenwärtige Sofortmaßnahme seitens der Flugzeughersteller verspricht aktuell eine zeitnahe Entwicklung von modular Schutzkonzepten für die Flugzeugkabine dankbare Abnehmer bei den Fluggesellschaften. Dabei reicht die Komplexität der Konzepte von einfachen Atemschutzmasken, über Trennscheiben zwischen den Sitzen, bis hin zu vollständigen Raumteilern für die Kabine, welche einen sicheren Transport in kleinen Gruppen, insbesondere auch von Fluggästen der Risikogruppen, ermöglichen.

Der modulare Aufbau ermöglicht eine einfache und schnelle Anpassung der Schutzkonzepte gemäß der Hygienestandards/-richtlinien der entsprechenden Reiseländer. Diese Schutzkonzepte sollen den Passagieren eine maximale Sicherheit bzgl. der eigenen Gesundheit bei gleichzeitiger Gewährleistung eines maximalen Passagierkomforts ermöglichen.

Boarding 2.0

Die Einführung Innovativer Boarding-Konzepte seitens der Fluggesellschaften haben wir bereits im Abschnitt Optimum vorgestellt. Langfristige Lösung der Flugzeughersteller sehen eine Unterstützung des Boardingvorganges durch eine entsprechend aufgebaute Kabinenstruktur vor.

Dies kann zum Beispiel durch austauschbare Passagierkabinen realisiert werden. Diese werden, ähnlich wie bei heutigen Frachtflugzeugen, auf Plattformen mit den bereits eingestiegenen Passagieren in das bereitgestellte Flugzeug befördert. Der gesamte Boardingprozess findet in diesem Fall außerhalb des Flugzeuges statt.

Hierdurch kann ein hohes Maß an Sicherheit der Fluggäste gewährleistet, die Warte- und Kontaktzeiten für die Passagiere verkürzt und für die Fluggesellschaften kürzerer Turnaround-Zeiten erreicht werden.

Der modulare Aufbau dieser Kabinenkonzepte ermöglicht zudem eine optimale Anpassung an die jeweilige Auslastungssituation und eine flexible Konfiguration der unterschiedlichen Reiseklassen.

Kleinere Flugzeuge im Trend

Bereits vor Beginn der Corona-Pandemie ist die Nachfrage nach Großraum-Passagierflugzeugen, besonders jenen mit vier Triebwerken, stark zurückgegangen. Airbus hat Anfang 2019 die Einstellung seines A380 Programmes bekannt gegeben. Auch der Konkurrent Boeing hatte bereits zuvor die Produktion der Passagiervariante seines B747 Programmes eingestellt.

Nicht erst durch die Corona-Krise – dafür jetzt aber umso mehr – gibt es in der Luftfahrt wieder den Trend hin zu kleineren Flugzeugen. Diesen Markt können die Flugzeughersteller sobald wie möglich durch umweltfreundlichere Flugzeuge mit geringen oder im besten Falle sogar gar keinen Schadstoffemissionen ergänzen. Der kleinere Maßstab dieser Flugzeuge erleichtert außerdem die zeitnahe Einführung von neuen Antriebskonzepten, welche auf erneuerbaren Energien basieren.

Diese Flugzeugkategorie kann primär auf Kurzstreckenflügen in geringeren Flughöhen optimal operieren. Wie im Abschnitt Sofortmaßnahmen beschreiben, werden zukünftig sehr wahrscheinlich wieder verstärkt Punkt-zu-Punkt Verbindung von den Fluggästen nachgefragt werden. Dabei können die regionalen Flughäfen (siehe Sofortmaßnahmen) eine erneute Konjunktur erfahren.

Mit der Einführung umweltfreundlicherer Flugzeugkonzepte bei den Herstellern sollte unbedingt auch ein völlig futuristisches Flugzeug- und Kabinendesign einhergehen, welches diese gravierenden Innovationen auch für die Flugästen unmittelbar spürbar werden lässt.

In Anbetracht der technologischen Herausforderungen, welche diese neuen Flugzeugkonzepte an die Flugzeughersteller stellen, sollte unbedingt auch darauf geachtet werden, die Time-to-Market im Vergleich zu den herkömmlichen Flugzeugprogrammen nach Möglichkeit deutlich zu verringern. Hierfür ist es wichtig, dass die Herstellerbetriebe ihre Entwicklungen Hand in Hand mit den Luftfahrtgesellschaften voranbringen.

Zukunftsvisionen

Aus den von NEURONprocessing bisher beschriebenen Ideen wird ersichtlich, dass es für die Fluggesellschaften und insbesondere für die Flugzeughersteller nicht primär darum geht, zum gewohnten Zustand vor der Krise zurückzukehren. Vielmehr kann die aktuelle Krise den Herstellern im Entwicklungsbereich neue Möglichkeiten eröffnen, deren Einführung am Markt bis jetzt noch undenkbar bzw. nicht lohnenswert erschien.

Um auf die optimale Entwicklungslinie zu gelangen, scheinen grundlegende Veränderungen bei den Herstellerbetrieben und ihrer Zuliefererketten unumgänglich. Die weltweiten Zuliefererketten können auf dem Weg zum Optimum ihre bisherigen Erfahrungen und Infrastrukturen optimal für die Fertigung der neuen Flugzeugkomponenten nutzen und diese auch in einem internationalen Netzwerk zur Verfügung stellen.

Im nächsten Teil unseres Projektes „Ideen für internationale Airlines während und über die Krise hinaus“ geht es um die Fragestellung „Welches sind die gegenwärtig noch helfenden, fehlenden Ideen (im Sinne von Sofortmaßnahmen) – und möglichen neuen Geschäftsfelder für Flughafenbetreiber, die auch über die Krise hinaus lukrativ sind?“.

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